Öffentlicher Raum. Sicherheit. Ästhetik.

Das subjektive Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum ist empfindlich gestört. Terroristische Anschläge wie 2016 in Nizza und Berlin oder Attacken wie in Wien und in der Trierer Fußgängerzone haben Bürgerinnen und Bürger verunsichert. Aufgrund der pandemischen Lage sind Abstandregeln zu beachten. Der andere wird zur Bedrohung, grundlegende Einschränkungen im öffentlichen Leben sind seit März 2020 neuer Alltag geworden. Wie nie zuvor wird in der COVID-19-Pandemie deutlich, dass Sicherheit Schutz und Raum beinhaltet. Ein öffentlicher Raum, der durch Architekturen der Sicherheit und deren Erscheinungsbild geprägt wird.

Das Forschungsprojekt „Architekturen der Sicherheit – Die Sichtbarkeit der Unsicherheit“ untersucht interdisziplinär Gestalt und Stadtbild (TU Berlin) sowie Konstruktion und Funktion (Berliner Hochschule für Technik) der Architekturen der Sicherheit in der praktischen Anwendung (Stadt Essen). Als Architekturen der Sicherheit lassen sich Objekte und bauliche Anlagen bezeichnen, die öffentlichen Raum in innen- und außenliegende Räume trennen, um Menschen zu schützen. Damit untersucht das Projekt ebenso Sicherheitsbedürfnis wie planerische Umsetzung. In den vergangenen Jahren entstand das Phänomen, dass immer mehr öffentliche Plätze und Veranstaltungen z.B. durch Betonkuben geschützt werden sollten, ohne dass ein breiter gesellschaftlicher Diskurs um diese Architekturen stattfand. Die Gestalt und Form dieser Architekturen ergeben sich primär durch den Nutzen, ohne dass sie selbst Gegenstand einer Gestaltung wären, wobei sie die ästhetische Wahrnehmung des Stadtbilds bereits stark beeinflussen.

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, Erkenntnisse zu sammeln über den Einfluss von Architekturen der Sicherheit auf die Wahrnehmung des Stadtraums. Ebenso soll untersucht werden, wie sich das Sicherheitsempfinden durch die Präsenz dieser Architekturen in Relation zum tatsächlich geleisteten Schutz verändert hat. Dabei sollen mittels visueller Feldforschung bestehende Architekturen der Sicherheit kategorisiert und anschließend künstlerisch sowie (ingenieur-) wissenschaftlich analysiert werden. Erstellt wird eine Typologie und Methodik, die Akteure bei der Entwicklung und Planung derartiger Architekturen unterstützt. Grundlage für dieses Projekt ist der interdisziplinäre Ansatz zwischen Kunst und Technik sowie die Kooperation zwischen der der Stadt Essen als Anwenderin von Architekturen der Sicherheit, der Technischen Universität (TU Berlin), der Berliner Hochschule für Technik Berlin weiteren assoziierten Partnerinnen und Partnern.